Angehörige

Warum dreht sich immer alles um ihn?

Du stellst eine einfache Frage – und wenige Minuten später rechtfertigst du dich selbst. Wie Alkohol Gespräche übernimmt und warum auch deine Sorgen einen Platz verdienen.

621 SOBER · ca. 4 Minuten Lesezeit

„In Sekunden war ich weg von der eigentlichen Frage.“

Kennst du das? Du stellst eine einfache Frage, und ein paar Minuten später redet ihr über etwas ganz anderes. Darüber, wie viel er arbeitet. Wie mies der Job ist. Wie groß der Druck ist. Und am Ende fühlst irgendwie du dich schlecht, weil du überhaupt gefragt hast.

Wie ein Gespräch kippt

Ich sage es dir von innen: Das ist kein Zufall. Empörung, sofortiger Angriff, erhobene Stimme. Das waren meine Werkzeuge.

Von jedem Punkt aus konnte ich das Gespräch in eine andere Richtung drehen.

In Sekunden war ich weg von der eigentlichen Frage, weg von der eigentlichen Situation.

Wenn du dich am Ende eines Gesprächs dabei ertappst, dass du dich rechtfertigst, lohnt es sich zurückzudenken: Was war eigentlich die ursprüngliche Frage?

Die zwei Leben der Frage „Hast du getrunken?“

„Hast du getrunken?“ Eine einfache Frage. Am Anfang kommt sie vielleicht alle vier Monate, und man kann sie mit einem Lächeln samt Alkoholfahne und einer lustigen Umarmung abhaken.

Dann wird sie zur täglichen Frage. Und dann zählt die Antwort gar nicht mehr. Die Stimme, die bricht, oder das Knie, das nachgibt, erzählt mehr über meinen Tag als jeder ausführliche Bericht.

Wenn du sie schon täglich stellst, wartest du wahrscheinlich gar nicht mehr auf die Antwort. Du weißt es schon.

Seine Probleme können echt sein

Das fällt mir schwer auszusprechen. Ja, ich kann Probleme haben – auch als Mann. Die Arbeit kann wirklich hart sein, der Druck wirklich groß. Und es hätte mir gutgetan, das mit einer liebevollen Partnerin zu besprechen.

Aber diese Möglichkeit habe ich mir selbst genommen. Mein Verhalten und das Trinken haben den Fokus an sich gerissen. Zu Recht.

Ich schreibe das, weil vielleicht auch in dir dieses schlechte Gewissen sitzt: „Aber er hat es doch wirklich schwer.“ Vielleicht hat er das, und dein Mitgefühl ist kein Fehler. Aber das Trinken beansprucht jedes Gespräch für sich. Solange das so ist, bleibt für deine Fragen und deine Erschöpfung kein Platz.

Und was ist mit dir?

  • Wann habt ihr zuletzt darüber gesprochen, was bei dir los ist?
  • Legst du dir deine Fragen vorher zurecht, damit kein Streit daraus wird?
  • Verschweigst du Dinge, weil es am Ende sowieso um ihn geht?
  • Hast du dich schon für etwas entschuldigt, das du gar nicht getan hast?
  • Gibt es jemanden, dem du erzählen kannst, wie es dir geht?

Wenn dir diese Fragen schwergefallen sind, ist das nicht dein Versagen. Es heißt, dass auch deine Geschichte einen Platz verdient.

Ein Schritt

Du musst den nächsten Streit nicht gewinnen. Es reicht, wenn deine eigene Frage nicht verloren geht – auch wenn du sie nur für dich selbst noch einmal aussprichst.

Auch deine Geschichte verdient einen PlatzGenau darum geht es im Arbeitsbuch Ich mache mir Sorgen um dich – aber wo bleibe ich? Hier findest du den kostenlosen Auszug.
Wenn dir die erhobene Stimme Angst machtWenn du dich oder deine Kinder in Gefahr siehst, warte nicht: Zur Soforthilfe.

Steven H. White – seit über zehn Jahren trocken. Früher war er derjenige, der die Gespräche umgedreht hat.

Und was ist mit dir?

Deine Geschichte verdient ebenfalls einen Platz.

Der kostenlose Auszug aus dem 621 SOBER Arbeitsbuch hilft dir, die eigenen Fragen und Bedürfnisse wieder wahrzunehmen.

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